Wundversorgung Pferd

VON DER LEICHTEN SCHÜRFWUNDE BIS ZU TIEFEN UND STARK BLUTENDEN VERLETZUNGEN

Voriger
Nächster

WAS MUSS ICH TUN WENN SICH MEIN PFERD VERLETZT HAT?

Verletzungsgefahren gibt es im Alltag eines Pferdes unzählige. das Problem ist häufig, dass zum Zeitpunkt der Verletzung niemand in der Nähe ist, der diese verhindern kann. Ein Pferd ist ein Fluchttier und allein schon deswegen sind Verhalten und Reaktionen der Tiere nicht vorhersehbar. Ein lautes Geräusch, ein herabfallender Apfel, ein Knall oder eine spontane Reaktion der Herde und schon kann sich ein Pferd massive Verletzungen zu ziehen.

Auch das Verhalten im Verbund mit anderen Tieren z.B. auf der Koppel birgt immer Risiken die nicht abzuschätzen sind. Streitereien, Rangkämpfe oder auch nur ein normales Spiel können dazu führen, dass ein Tier eine Blessur davon trägt.

Daneben gibt es Gefahren wie Insektenstiche, juckende oder beissende Ekzeme, Gefahrenquellen wie Haken oder Scheunentore und zu letzt nicht auch der Untergrund, unstabil, matschig oder holprig. Kurzum es gibt Gefahrenquellen im Leben eines Pferdes die man nicht ausschließen kann. Und wenn das Tier auch noch einige Stunden unbeobachtet in der Box, dem Paddock oder gar auf der Koppel verbringt, ist der Zeitpunkt der Verletzung auch häufig schon eine Weile zurück liegend, was die Prognose nicht einfacher macht!

In jedem Fall ist bei Feststellung einer Verletzung bei dem geliebten und oft auch teuren Tier jetzt ein kühler Kopf zu bewahren. 

Ersthilfe Maßnahmen kennen wir alle: Gefahrenquellen eliminieren, Wunden schützen, Blutungen reduzieren, Tier beruhigen.

Und dann?
In jedem Fall ist es ratsam einen Experten zu befragen: der Anruf beim Tierarzt ist meist unumgänglich. Und er schont den Geldbeutel und das Tier. Frühe Hilfe ist nicht nur Kosten-sparend sondern auch Tierschutz-relevant

Und wenn es doch nur eine leicht Verletzung oder ein unangenehmer Insektenstich ist? Wie versorge ich diese „Kleinigkeit“ fachgerecht??

 
 

BEHANDLUNG NACH DEN 3 PHASEN DER WUNDHEILUNG

FÜR DIE WUNDVERSORGUNG BEIM PFERD

Voriger
Nächster

WAS PASSIERT WÄHREND DER WUNDHEILUNG?

„Wundheilung“, was bedeutet das eigentlich?

Wir sehen eine frische Verletzung, die Haut ist leicht bis stark geschädigt, die Wunde blutet, die Wundränder sind  entzündetgerötet, die Wunde ist eitrig oder trocken. Es gibt viele verschiedene Ursachen und Zusammenhänge wie eine Wunde entstanden ist und wie dann die Prognose über die Wundheilung aussieht.

Um ein Verständnis für die unterschiedlichen Prozesse zu bekommen und die daraus resultierenden Maßnahmen zu verstehen gliedern wir die Wundheilung in 3 Phasen:

  1. Exsudationsphase
  2. Granulationsphase
  3. Epithelisierungsphase

Jede der 3 Phasen der Wundheilung beschreibt einen entsprechenden Zustand der Wunde und die daraus abzuleitenden Notwendigkeiten bzw. Abläufe in der Wunde, die dazu beitragen, dass die Verletzung verheilen kann. 
In jeder einzelnen Phase kann es zu Störungen kommen bzw. können wir mit geeigneten Maßnahmen eingreifen um den Vorgang zu unterstützen bzw. zu beschleunigen.
Für diejenigen unter euch, die sich zu diesem Thema weitere Informationen besorgen möchten, hier ein interessanter link zu einer sehr umfangreichen Dokumentation über das 3 Phasen-Modell und die Wundbeurteilung bzw. Wundversorgung Pferd.

1. EXSUDATIONSPHASE

WAS BEDEUTET DIE EXSUDATIONSPHASE UND WAS KANN ICH TUN?

Exsudation“ kommt aus dem Lateinischen und (exsudare) und bedeutet ausschwitzen oder abfließen.

Konkret heißt dass nichts anderes als das der Körper alles das los werden möchte was er hier in der Wunde nicht gebrauchen kann.

  • Bakterien, Keime
  • Fremdkörper, Schmutz
  • abgestorbenes Gewebe und koagulierendes Blut

können als wichtigste Gruppen benannt werden.

Wir sehen, dass die Wunde stark blutet oder sogenanntes Exsudat als Flüssigkeit die der Körper aus dem zwischenzellulären Raum, der sogenannten Matrix generiert. Diese Körperflüssigkeiten „spülen“ die Wunde und sorgen zunächst dafür dass die frische Verletzung gereinigt wird.

Was kann ich tun um diesen Vorgang zu unterstützen?Normalerweise kann der Körper diesen Vorgang alleine steuern. Es kann aber notwendig sein ihn dabei zu unterstützen. Vor allem wenn die Wunde besonders stark verschmutzt wurde. Gerade wenn die Tiere sich draußen Verletzungen zu gezogen haben sind die Wunden oft besonders stark verschmutzt oder mit Keimen in Kontakt gekommen. Hier kann es sinnvoll sein dieses abfließen des Dekretes durch eine geeignete Flüssigkeit zu unterstützen. Wir verwenden hier eine physiologische Flüssigkeit mit besonderen Eigenschaften: Medilusan® Vet Wundpflege Reinigung und Desinfektion besteht aus einer Kochsalz-Lösung, die in einem besonderen Verfahren elektrochemisch aktiviert wurde. Sie ist sehr gut verträglich in der Wunde und hilft dem Körper Schmutz, Bakterien und abgestorbenes Zellmaterial bis in die letzten Ritzen der Wunde „auszuschwitzen“.

2. GRANULATIONSPHASE

granulation-hufwunde

WAS PASSIERT IN DER GRANULATIONSPHASE UND WAS KANN ICH JETZT TUN?

Granulation bedeutet dass der Heilungsprozess begonnen hat. Es bildet sich sogenanntes Granulationsgewebe, die Wunde heult von Außen nach innen zu. Oft kann man einen weißen Rand um das rote Wundgewebe herum beobachten. Dieser rand ist nicht etwas Eiter der der Wundheilung schadet, sondern es ist junges Bindegewebe das der Körper bildet um die Wunde zu schließen.

Wir kennen bei kleineren Verletzungen dass sich sogenannter Schorf bildet, der die Wunde schützen soll. Dieser Schoff legt sich über die Wunde und schützt den darunter liegenden Heilungsprozess.Es kann aber insbesondere bei großen Verletzungen dazu kommen dass die Wunde nicht verschorft und sich ein „nur“ ein schützender Film auf der Wunde bildet der leicht glänzt und die Wunde ebenfalls schützen kann. Dieser Schutzfilm besteht aus den Blutplättchen die der Körper dort hin schickt um die Regeneration der Wunde zu fördern.Was kann ich tun um diesen Vorgang zu unterstützen?Hier ist jetzt Vorsicht gefragt. In dieser besonders empfindlichen Phase der Wundheilung kann man mehr falsch machen als richtig.Das wichtigste ist die bereits eingeleitete Wundheilung nicht zu stören. Bei größeren Verletzungen kann man hier schützend helfen und sollte dabei mit Fingerspitzengefühl vorgehen um die „Wundruhe“ nicht zu stören.Wir sorgen mit einem speziellen Produkt dafür, dass Keime die noch in der wunde sind eliminiert werden und dass durch einen dünnen Schutzfilm auf der Haut keine Fremdkörper in die Wunde gelangen können. Wunden die wir mit Medilusan® Vet Wundgel bedecken werden durch einen Film der sich nach kurzer Zeit bildet vor Austrocknung geschützt und Bakterien und Verunreinigungen werden effektiv fern gehalten.Diese Maßnahme führen wir maximal 1x täglich durch und geben der Wunde zwischendurch viel Ruhe!

3. EPHITELISIERUNGSPHASE

WAS IST DAS BESONDERE AN DIESER PHASE UND KANN ICH HIER NOCH ETWAS TUN?

Ephitel ist der Begriff für das sogenannte Deckgewebe. Jetzt soll sich die Wunde verschließen und eine robuste und feste Deckschicht bekommen. Die Wunde geht nun vom feuchten Zustand in eine abschließende trockene Phase über.

Man kann sagen, jetzt hat es unser Patient fast geschafft. Die Wunde wir fester und kann sich nach und nach wieder selbst schützen. Aber es ist Vorsicht geboten, dieses Bindegewebe ist noch sehr dünn und anfällig, auch schmerzempfindlich und noch nicht in der Lage große Belastungen auszuhalten. Nur durch Geduld und das Heranwachsen mehrere Zellschichten kann die frisch entstandenen Haut die wir hier als Narbengewebe bezeichnen widerstandsfähig werden.

Was kann ich jetzt noch tun um diesen Vorgang zu unterstützen?

Jetzt ist es wichtig die Ereignisse in der Wunde gut zu beobachten:

  1. Ist die oberste Schicht trocken oder bildet sich eine Schleimschicht (Eventuell Hinweis auf Bakterien oder andere Keime), die Wunde hat sich nicht vollständig gereinigt. Jetzt ist es auch wichtig mit der Wundbefeuchtung mit Gel, Salbe oder Wundspülllösung aufzuhören. Die Wunde muss sich verschließen können.
  2. Ist die oberste Schicht zu trocken, wird das neu gebildete Ephitel rissig, spannt die Haut oder reisst auf?
  3. Beginnt die Wunde zu „wuchern“, es bildet sich ein Wulst an Narbengewebe das so hier nicht hin gehört?

Wenn die Wunde sich verhält wie in Punkt 1 beschrieben sollten wir die Wunde in Ruhe lassen. Weiter ist darauf zu achten, dass die neugebildete Haut noch frisch ist und keine Strapazen verträgt. Also keine starken Belastungen auf diesen Bereich ausüben.

Störung der Wundheilung

NARBE WUCHERT

hypergranulation

Während der Wundheilung kann es vorkommen, dass das Narbengewebe plötzlich anfängt zu „wuchern“. Es bilden sich Wülste und die Narbe ist deutlich erhaben. Solche Narben können im späteren Verlauf zu Narbenproblemen und auch zu Schmerzen führen.

Die Ursachen hierfür sind häufig zu nasse Wunden. Vereinfacht heißt das die Wunde beschleunigt die Wundheilung in einem zu großen Maße. Als geeignet Gegenmaßnahme haben sich hier Kompressionsverbände bewährt. Oft aber reicht es aus dafür zu sorgen, dass die Wunden abtrocknen können: keine Salben oder Spüllösungen mehr verwenden, Luft an die Wunde lassen, dann reguliert der Körper diese Wundheilungsstörung häufig selbst. Bei Unklarheiten ist es hilfreich den Tierarzt zu konsultieren.

WUNDE REISST AUF

kleine-wunde-am-pferd

Wenn eine Wunde reisst ist das Wundmilleu meist zu trocken. Auch hier kann es langfristig Probleme geben, Wunden reißen immer wieder auf, an dieser Stelle ist immer ein Infektionsrisiko vorhanden. Auch schmerzen die Wunden und sind sehr empfindlich. Man spricht auch von einer stagnierenden Wundheilung.

Als geeignete Maßnahme haben sich hier Produkte bewährt die die Haut an dieser Stelle geschmeidig machen können und auch vor Bakterien und anderen Keimen schützen. Die Hautbarriere ist hier nicht intakt und Keime können eindringen. Es ist Geduld und regelmäßige Wundpflege gefragt an solchen Wundpartien. Auch hier kann ein fachkundiger Rat eines Tierarztes helfen.